Vladimir MAZHUGA (St. Peterburg) Am Beispiel einiger Handschriften aus der ehemaligen Bibliothek der Abtei Corbie werden gewisse Methoden karolingischer Schreiber behandelt, die in karolingischer Zeit beim schnellen Kopieren einer Handschrift angewandt wurden. Drei in der Nationalbibliothek Rußlands aufbewahrte Handschriften, Lat. Q. v. I Nr. 10, 9 und 46 zeigen ganz deutlich, daß der Codex, der als Vorlage diente, zum Zweck schnellen Kopierens aufgelöst und in Teile zu jeweils gleicher Lagenanzahl zerlegt wurde. Mehrere Schreiber konnten somit gleichzeitig arbeiten. Es geschah gar nicht so selten, daß ein Schreiber, dem ein gewisser Abschnitt der Vorlage zugeteilt worden war, von einem oder zwei nach einander arbeitenden Schreibern abgelöst wurde. Das Ende eines Vorlagenteils ist in der Kopie u.a. dadurch gekennzeichnet, daß die letzte Lage gewöhnlich weniger Blätter zählt als die vorangehenden Lagen desselben Teils. Auf dem letzten Blatt und besonders in seinen letzten Zeilen ist die Schrift oft breiter ausgezogen; vielfach bleiben Zeilen sogar leer. Umgekehrt konnte ein Schreiber aber auch am Ende seiner Arbeit die Hilfe eines anderen beanspruchen, der geschickter war, so daß wir noch in den letzten Zeilen eine andere Hand finden können.