Susan MARTI (Dortmund) Der Psalter Cod. 61 der Engelberger Stiftsbibliothek (dat. 3. Viertel des 13. Jh.s) ist mit einem Vollbilderzyklus, Deckfarbeninitialen, farbigen Fleuronnée-Initialen, Lombarden und Interlinearornamentik verziert. Die Analyse der Ausstattungs- und Textelemente in farbigen Tinten ergibt, dass die Handschrift nach dem Kopieren des Textes in schwarzbrauner Tinte zweigeteilt und getrennt weiterbearbeitet wurde. Alle Doppelblätter, auf denen Deckfarbenschmuck anzubringen war, wurden aussortiert und gesamthaft von anderen Händen fertiggestellt. Das Beispiel wirft Fragen auf nach der Arbeitsorganisation von Schreibern und Malern, nach den jeweiligen Zuständigkeiten in Bezug auf die Anbringung der Lombarden, des Fleuronnée und der Zeilenfüllungen und nach einer möglichen Kooperation von klösterlichen Skriptorien und Laienbuchmalern in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts am Oberrhein.