Zdenka HLEDÍKOVÁ (Praha)
- Die Entstehung des Passionale der Äbtissin Kunigunde von St. Georg in Prag.
Die Prachthandschrift, das sogenannte Passionsbuch, entstand für
Kunigunde, Tochter König Pr'emysl Ottokars II. und Äbtissin des Benediktinerinnenklosters
St.Georg auf der Prager Burg. Die Handschrift enthält fünf mystische
Schriften. Vier davon hat Colda, Lektor der Dominikaner bei St.Clemens in Prag,
verfaßt; die zwei Hauptwerke, De strenuo milite (Fol. 2-10) und De
mansionibus celestibus (Fol. 18-31) sind auf Aufforderung der Äbtissin
in den Jahren 1312 und 1314 entstanden. Die einführende Dedikationsszene
stellt Colda als dedicator huius libri vor, hinter ihm kniet Kanoniker
Bene als scriptor huius libri. Bene wird in der Literatur als
Schreiber, Redakteur und Illuminator der ganzen Handschrift betrachtet; er hat
auch zwei weitere im St.Georgs-Scriptorium entstandene Handschriften geschrieben.
Bene hat die Handschrift einheitlich konzipiert und zwar sowohl durch die
Auswahl der abgeschriebenen Werke, als auch durch die Ausstattung der Seiten.
Während er aber zunächst Text und Miniaturen in der gewohnten Reihenfolge
ausführte, legte er ab Fol. 18r zuerst den Bildschmuck an und sparte dabei
ganz gezielt Raum für den zugehörigen Text aus. Auf diese Weise entstanden
wiederholt Text- und Bildfelder von bewußt unterschiedlichem Umriß,
deren Komposition zu einer geschlossenen Seite den unmittelbaren wechselseitigen
Bezug von Text und Bild bereits auf den ersten Blick zum Ausdruck bringt. Die
Mehrzahl der Illuminationen wurde allerdings nie beendet, und nur der erste, im
Jahr 1313 fertiggestellte Teil der Handschrift ist der Äbtissin, die 1321
starb, übergeben worden.